Freitag, 17. November 2017

Das Kartoffelexperiment

Bis vor wenigen Jahren glaubte ich, jedes Gemüse hätte seine Farbe. Tomaten seinen rot, Gurken grün und Mohrrüben orange. Stimmt aber gar nicht. In den letzten Jahren wurden unsere Gemüse bunt. Mohrrüben sind nicht mehr nur orange, sondern auch rot, gelb und weiß.
Doch die bunten Mohrrüben sind keine Neuerung der modernen Zeit. Bunte Mohrrüben sind älter als die orangefarbenen, die erst - und da variieren die Zahlen - im 17./18. Jahrhhundert in Holland gezüchtet wurden. Irgendwo habe ich gelesen, dass man damals zu Ehren des hollandischen Königshauses dann nur noch die orangefarbenen anbaute. Ob das stimmt, weiß man nicht. Aber fest steht, dass sich orangefarbene Karotten durchsetzten.
Alten Sorten findet man kaum noch. Die industrielle Landwirtschaft hat sie verdrängt. Zwar gibt es inzwischen wieder Saatgut allerlei bunter Gemüse, doch das sind meist Neuzüchtungen und F-1-Hybriden. Nur wenige Züchter haben sich dem Erhalt alter Gemüsesorten verschrieben.
Bei Kartoffeln ist es nicht anders. Auch sie waren einst bunt und vielfältig. Inzwischen kann man zwar schon wieder blaue Kartoffeln, sogenannte Trüffelkartoffeln, kaufen, doch sie sind selten und teuer. Aber weil ich buntes Gemüse so mag, leisten wir sie uns gelegentlich.
Vier von ihnen hatten sich im Frühjahr in der Kammer in eine hintere Ecke verkrümelt und damit fing alles an. Als ich sie wiederfand, waren sie schrumpelig und trieben bereits aus. Ich entschied, sie einzupflanzen. Sie kamen in einen alten Kübel auf dem Balkon und gediehen prächtig.


Im Oktober war aus den vier verkrumpelten Kartoffeln ein gutes Kilo geworden.
Und weil eigene Kartoffeln zu ernten so viel Spaß macht, blieb es natürlich nicht bei vier schrumpeligen Knollen und einem einzigen Kübel. Im Internet habe ich noch vier historische Sorten dazugekauft: Blaue Schweden - eine alte blaufleischige Sorte, deren Herkunft nicht genau bekannt ist, von der man aber annimmt, dass sie aus Südamerika stammt; Violine de Borée - eine französische Sorte aus der Region Ardeche, die sich dort seit dem 17. Jahrhundert erhalten hat, ebenfalls mit blauem Fleisch; Highland Burgundy Red -eine aus Schottland stammende Züchtung mit rotem Fleisch; Rosa Tannenzapfen - eine deutsche Züchtung aus der Zeit um 1850 mit rosafarbener Schale und gelbem Fleisch, die Kartoffel des Jahres 2013.

 

Diese Kartoffen kamen zum großen Teil ins Beet, ein paar auch in Kübel.
Im Internet hatte ich mich über Kartoffeltürme schlau gemacht, nachdem mir mein Schwiegersohn von dieser Art des Anbaus erzählt hatte. Eigentlich wollte ich genau das ausprobieren, habe am Ende aber nur einen einzigen Topf auf dem Balkon bis auf 70 cm aufgetürmt. Das brachte allerdings nichts, bis auf eine einzige Kartoffel. 
In den Kübeln im Garten, in denen ich die Erde nicht höher als bis zum Rand aufgeschichtet habe, haben sich Violine de Boree und die roten Kartoffeln sehr gut gemacht. Vor allem waren sie vor den lieben Gartenbewohnern geschützt, die mir von den Kartoffeln im Beet jede Menge geklaut haben. Unter mehreren Reihen, vor allem der blauen Kartoffeln, waren Gänge gebuddelt und an den unterhöhlten Pflanzen war nicht eine einzige Knolle. Am Ende eines Ganges fand ich dann ein Lager und gleich drei handvoll Kartoffeln. Ich habe sie mir zurückgeklaut.
Die Rosa Tannenzapfen mochten den Topf nicht, dafür gediehen sie prächtig im Beet. Aus etwas 700 Gramm gesetzter Kartoffeln wurden etwas mehr als sieben Kilo. Und nicht eine davon gemopst. 


Seltsame Formen haben sie. Und sie sind sehr lecker. Allerdings im Geschmack den gängigen Sorten sehr ähnlich. Die blauen und die roten dagegen schmecken viel intensiver. Ein ganz eigener Geschmack, der keiner in den Läden zu findenden Sorte gleicht. Auch nicht den blauen Trüffelkartoffeln, deren Geschmack bei weitem nicht so kräftig ist. 


Meine Kammer ist nun mit allerfeinsten Kartoffeln gefüllt. Bis ins nächste Jahr werden sie bestimmt reichen. Und wenn ich es schaffe, einige ins nächste Frühjahr hinüberzuretten, dann versuche ich das mit dem Kartoffelturm noch einmal. Hat jemand von Euch Erfahrung damit? 
Lieben Gruß und ein schönes Wochenende
Katala

Kommentare:

  1. Liebe Katala,
    da würde ich doch sagen, Experiment gelungen! Deine Kartoffeln sehen köstlich und so gesund aus! Nächstes Jahr will ich auch KArtoffeln aus Eimern probieren ;O) Meine Mama macht das ab und an, wenn sie Kartoffeln hat, die schon zu weit gekeomt sind, hat bisher immer geklappt ;O)
    Hab ein wunderschönes und gemütliches Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  2. Das finde ich spitze! Du hast ja eine kleine Passion draus gemacht. Würde ich gerne mal probieren, so eine alte Kartoffel. Vielleicht probiere ich auch mal so etwas Spezielles aus. Ich hatte vor zwei Jahren normale Kartoffeln halbiert und in einen großen Kasten gesteckt, war eine super Ernte und hat Spaß gemacht.
    Liebe Grüße

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  3. toll!! ich will auch!!! dunkle möhren und lila kartoffeln. ich besorge mich schon mal kübel, denn auch hier lauern jede menge wühlmäuse!!
    lg, mano

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  4. Habe schon ewig keine eigenen Kartoffeln mehr angebaut. Was du alles ausprobiert hast!
    Bon week-end!
    Astrid

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  5. Und Du bist jetzt die Kartoffelkönigin des Jahres 2017. Ich gratuliere zu den feinen Spezialitäten. Ich habe mich mal an "Bamberger Hörnchen" versucht, eine Kartoffelspezialität aus meiner Heimatregion und eine beinahe ausgestorbene Kartoffelsorte. Die mochten entweder Boden oder Klima nicht, oder beides. Sie blieben klein und auch die Ausbeute war nicht nennenswert. Im Beet sind bei mir die gewöhnlichen:"Linda" und Agria".

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  6. .... und natürlich grüße ich ganz herzlich :-)

    Beate

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  7. ...das klingt toll, liebe Katala,
    und so eine gute Ernte...Kartoffeln habe ich noch nie angebaut und buntes Gemüse bisher gemieden..."was der Bauer nicht kennt..."....dein Post macht Lust, das mal auszuprobieren,

    liebe Grüße Birgitt

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  8. Bei der Oma habe ich Kartoffel geerntet und bin auch den Knien rumgerutscht. Die Oma hat Sieglinde angebaut, das war damals und auch heute noch DIE Kartoffelsorte.

    Heute hole ich meine Kartoffeln beim Bauern, aber immer in kleinen Mengen, weil ich keine Möglichkeit habe, sie zu lagern.

    Wenn sie Augen bekommen, mag ich sie nicht mehr essen.

    Was ich gerne mag,s ind die Süßkartoffeln, daran muß man sich gewöhnen.

    Viel Spaß und Freude mit den Kartoffeln.

    Lieben Gruß eva

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  9. Das hört sich wirklich spannend an, das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Ich bin immer hinter alten Gemüsesorten her, die man auch in Kübeln ziehen kann. (Obwohl der Gatte jetzt ein Hochbeet im kleinen Garten fürs nächste Jahr vorbereitet.) Die Kartoffelidee wird auf jeden Fall getestet.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  10. sehr schön selber kartoffel zu ernten, hier nur einige pflanzen es gefällt mir einfach zu entdecken vieilleicht unter der erde versteckt sind, leider oft kleine, aber immer ein prima geschmack ;)
    liebe grüsse

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  11. Oh, wie spannend ist doch dieser Kartoffelpost, so viel neue Infos und tolle Fotos dazu! Nie hätte ich vermutet, dass Kartoffeln auch im Kübel gedeihen, dass der Platz ausreicht. Liebe Grüße Ulrike

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  12. Oh, so viele schöne Kartoffeln! Ich bin auch ein großer Fan von den violetten und überhaupt von alten bzw. ausgefallenen Gemüsesorten. Mit dem Anbau von Kartoffeln habe ich noch nicht so viel Erfahrung. Ich konzentrierte mich bisher vor allem auf Tomaten, Gurken und Paprika. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
    LG, Varis

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  13. Deine Erfahrungen mit den Kartoffeln finde ich sehr interessant und ich wusste nicht, dass es so viele verschiedene Sorten gibt. Von alten Sorten habe ich jetzt schon öfters gehört, wenn auch nicht in Bezug auf Kartoffeln. Ich finde das sehr spannend und würde in unserem Garten auch gerne alte Sorten anbauen, was bei uns aber nicht so einfach ist, da die Nacktschnecken fast alles weg fressen und wir das Wenige, was wir pflanzen immer irgendwie schützen müssen, aber ohne Chemie.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  14. Wie herrlich, liebe Katala. Auch in unserem Garten gibt es (sonst immer) ein Kartoffelfeld und gerade farbige Sorten buddeln meine Söhne am liebsten aus. (Die normalen Kartoffeln kann ja jeder.. hihi!) Die Tannenzapfen-Kartoffeln sehen witzig aus. Wie ist es denn sie zu schälen? Dir ganz liebe Grüße in den grauen Novembertag. Herzlichst, Nicole

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  15. So viel Eigenes aus dem Garten, das finde ich toll.
    LG
    Magdalena

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  16. Oh das finde ich klasse! Wir stecken auch alles in die Erde, was schrumpelt oder sich sonstwie nicht wehrt. Xunddrölfzig Sorten Tomaten, alle von Jahr zu Jahr selber vermehrt, lila Hörnchen hatten wir auch diesjahr. Toll! Nein, mit Türmen f Kartoffeln hab ich keine Erfahrung. Abendgruß, Eva

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  17. p ess kennst Du Arche Noah aus Österreich? Erhalterforum. www.arche-noah.at Als Mitglied kann man von den andern Mitgliedern Samen bestellen und Sortenraritäten weitervermehren. In Deutschland gibts den VEN www.nutzpflanzenvielfalt.de Schöne Grüße, Eva. backlink http://fredaimgarten.blogspot.de/2017/11/biodiversitat.html

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