Donnerstag, 26. Mai 2016

Amsterdam



Vier Tage Amsterdam, das so voller Menschen war, wie ich es noch nie in einer Stadt gesehen habe. Und vor allem junges Volk aus aller Herren Länder.


Von den vielen Fahrrädern mal ganz abgesehen. Als ich im Vondelpark versuchte, den Radweg zu überqueren, war das schwieriger, als eine sechsspurige Autostraße in Berlin wähend der Rush Hour zu passieren. In Amsterdam wird man wahrscheinlich eher von einem Fahrrad überfahren als von einem Auto. Letztere sind da nicht so zahlreich.
Als Autofahrer hat man es in Amsterdam auch nicht leicht. Ich kann ein Lied davon singen. Ohne einen Taxifahrer hätte ich das Hotel trotz Navi niemals gefunden. Entweder stand ich vor Pollern oder es waren Einbahnstraßen oder die Straße war so schmal, dass das Auto gar nicht durchpasste. Nach Amsterdam mit dem Auto kostet Nerven. Vor allem, wenn man in der Innenstadt wohnen will, so wie wir. Doch unser Hotel hatte einen wunderbaren Service und der war sogar preiswerter als ein Parkhaus. Wir durften den Schlüssel abgeben und sahen das Auto erst wieder, als wir abreisten.  Welch ein Luxus. Weg war das lästige Teil. Und ich habe es keine Sekunde vermißt. Wenn wir nicht laufen wollten, nahmen wir die Straßenbahn. Wunderbar.
Doch meistens waren wir zu Fuß unterwegs, kreuz und quer durch die  Innenstadt, durch die schmalen Straßen mit den alten Häusern, von deren Schönheit wir jedoch wenig sahen, da sich unten Laden an Laden reiht mit all dem Glitter und den Reklameschildern, die dazugehören. Blieben wir stehen, um an den Häusern emporzuschauen - und dafür mussten wir den Kopf weit in den Nacken legen -, wurden wir entweder umgerannt oder es bildete sich hinter uns ein Stau. Nur entlang der Grachten hatten wir einen guten Blick auf die vielen verschiedenen, oft reich verzierten Giebel. Da hatten wir Platz, da konnten wir übers Wasser schauen. 



Da sahen wir auch, wie schief einige der alten Häuser inzwischen stehen, weil die Holzpfähle, auf denen sie gebaut wurden, um im feuchten, sandigen Untergrund überhaupt Halt zu finden, über die Jahrhunderte morsch wurden. In Amsterdam nennt man sie auch die tanzenden Häuser und das, finde ich, ist ein wunderschöner Begriff dafür.


Die meisten Häuser sind schmal, manche nicht breiter als ein Kleiderschrank, denn die Steuern für ein Haus an einer Gracht wurden früher nach Frontmetern bemessen. Also baute man vorne schmal und hoch und nach hinten lang.
Unser Hotel war auch ein kleines altes Haus. Wie die meisten etwa sechs Meter breit, drei Fenster/Zimmer nebeneinander und drei Etagen hoch. Ich wohnte ganz oben.
Beim Anblick der Treppen bekam ich einen Schweißausbruch. Eine so schmale und steile Treppe, deren letzte Stufen zudem auch noch um die Ecke führen, sich also wie bei einer Wendeltreppe nach innen auf zwei Zentimeter verjüngen, hatte ich in einem Wohnhaus noch nie gesehen. Größere Gepäckstücke -  schwierig und nur mit hoher Konzentration. Gegenverkehr - lebensgefährlich. Möbel - ganz und gar unmöglich.


Früher wurden alle großen Gegenstände über einen Flaschenzug nach oben und durchs Fenster gehievt. An den meisten Gebäuden sind die alten  Giebelbalken, an denen der Flaschenzug befestigt wird, noch vorhanden. Und sie werden auch nach wie vor benutzt. Wir haben zugesehen, wie Baumaterial über eben diesen Weg nach oben befördert wurde. Mit offenen Mündern standen wir da und staunten. Die Kamera baumelte über der Schulter und wurde wieder einmal, wie so oft in solchen Momenten, nicht benutzt.
Ja, mir fehlen hier Fotos, die den vielen Text illustrieren könnten. Ich hatte die Kamera zwar von morgens bis abends dabei, aber - das Übliche - es gibt trotzdem kaum Bilder.
Nun kann ich dieses Mal zu meiner Entschudigung anführen, dass wir nicht nur in Amsterdam waren, um die Stadt zu besichtigen. Der Hauptgrund war ein interkontinentales Familientreffen zu einem runden Geburtstag. Klingt gigantisch. War aber gar nicht so groß. Die meiste Zeit wurde natürlich gequatscht. Wenn man sich nicht so häufig sieht, gibt es viel zu erzählen. Wir haben uns zwar auch viel angeschaut in der Stadt und viel erlebt in den vier Tagen, doch das Fotografieren kam dabei meist zu kurz.


 Aber wenigstens ein Foto von einer Gracht habe ich gemacht...


...und eines von der meistfotografierten Sehenswürdigkeit Amsterdams, einer der wenigen noch erhaltenen Holzbrücken. Doch ich gestehe, hätten sich die Möwen nicht lauthals ums Futter gestritten und damit meine volle Aufmerksamkeit erregt, gäbe es kein Foto von der Mageren Brücke.

Wenn ich dann doch einmal ans Fotografieren dachte, waren die Lichtverhältnisse ziemlich bescheiden.
Den einen Abend fuhren wir mit der Straßenbahn bis zum Hauptbahnhof, einem riesigen Bau. Gigantisch. Wir hofften auf ein ebenso gigantisches Innnere. Doch das war eher enttäuschend.


Da war keine Halle so hoch wie eine Kathedrale. Da war nur Bahnhof. Aber da war auch Musik und kein Gedudel vom Band, sondern wunderschöne Klaviermusik, live.


Auch etwas, das ich noch nie gesehen hatte: Ein Flügel in einer Bahnhofshalle, auf dem jeder spielen darf. Es hatte etwas Surreales und es war wunderschön. In diesem Moment tat es mir wieder einmal unendlich leid, dass ich nicht Klavier spielen kann. Könnte ich, hätte ich mich sofort neben den jungen Mann gesetzt und wir hätten eine Weile vierhändig spielen können. Wir hätten bestimmt Spaß gehabt.

Ach, Amsterdam war toll. Ich könnte jetzt hier noch endlos weitererzählen. Aber ich mache erst einmal Schluß.
Euch allen noch einen schönen Resttag
Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Liebe Katala,
    das war eine schöne Erinnerung an meinen Besuch in Amsterdam.
    Wunderschöne Fotos und prima Erklärungen. Man kann alles miterleben.
    Einen sonnigen Rest-Donnerstag wünscht
    Irmi

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  2. amsterdam steht immer noch ganz oben auf meiner liste der wunschstädte. aber wenn ich lese, wie voll es dort ist, fahr ich vielleicht doch lieber (wie schon so oft vorher...) ans meer.
    deine bilder (so wenige sind es doch gar nicht!) sind aber trotzdem sehr ansprechend, besonders das von der gracht und den möwen. wenn ich die betrahte, will ich doch einmal nach amsterdam!
    liebe grüße von mano

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  3. Das war wirklich ein wunderschöner Bericht und doch eine Menge Fotos! Da kamen eine Menge Erinnerungen hoch und auch Neues habe ich gerade bei Dir gelernt.
    Das Klavier im Bahnhof finde ich eine wunderschöne Idee!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Liebe Katala,
    danke für den Bericht. Ich muß gestehen, ich war noch nie in Amsterdam.
    Vielen Dank für deinen superschönen Bericht.
    Lieben Gruß Eva

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  5. Ein schöner Beitrag! Amsterdam ist einfach eine Reise wert!
    Da ist einfach Leben!!! Das vermisse ich hier in Hamburg. Hier gibt es nur Fressmeilen (Hafengeburtstag & Alsterfest)... ;-D Ich erinnere ich auch genre an Amsterdamm, nur hatte ich da noch keine Kamera.
    Lieben Gruß sende,
    Britta

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  6. Amsterdam is geweldig!****
    GLG
    Astrid

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  7. ...ich habe auf deinen Bildern ganz viel wiedererkannt, liebe Katala,
    ist ja auch gerade erst ein Jahr her, dass ich in Amsterdam war...so menschenvoll habe ich es allerdings nicht erlebt, vielleicht, weil das Wetter nicht so gut war...uns hat es sehr gut gefallen...der Flügel im Bahnhof ist klasse, da habe ich auch mehrmals zugehört...eine schöne lebendige Stadt,

    liebe Grüße
    Birgitt

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  8. Das war ein klasse Beitrag. Mal so etwas anders, als die üblichen Tourismusattraktionen aufzählen. Und die Fotos sind auch schön, die Masse machts ja nicht immer.
    Von Dresden kann man jetzt oft und günstig nach Amsterdam fliegen (naja - von Berlin ja auch) wenn ich in ein Flugzeug steigen würde..... So mit dem Auto ist mir das immer zu weit, aber vielleicht doch noch irgendwann. Vom Hören-Sagen muss es ein tolles Erlebnis sein.
    Liebe Grüße

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  9. Ich liebe Amsterdam!!! Und den Post hier, denn der zeigt die Stadt so richtig gut. Wollte schon als Studentin ein Haus oder wenigstens eine Wohnung dort haben... ich arbeite noch daran, denn dieses teure Pflaster übersteigt auch aktuell noch mein Budget. Muss da unbedingt mal wieder hin und vor allem die Seitenstraßen unsicher machen mit ihren Werkstätten und Malerunterkünften, den Musikerproben, den ausgefallenen Restaurants und Cafés und dem ganz normalen Leben. Tolle, bei mir Sehnsucht auslösende Bilder, Katala!
    Liebe Grüße von mir!
    Solveig

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  10. Was für wunderschöne Bilder, liebe Katala! Hach.. Amsterdam!! Eine heimliche Liebe von mir ;)) die schmalen Häuser, die Grachten, die liebenswerten Menschen und die Cafes.. einfach wunderbar!! Und Du hast alles so fein gesehen und festgehalten. Ein schöner Ausflug. Ich will auch mal wieder ;)) Lieben Gruß, Nicole

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  11. Manchmal ist die Wirklichkeit so faszinierend, dass man tatsächlich das Fotografieren vergisst und im Augenblick lebt. Trotzdem hast du ein paar schöne Fotos mitgebracht. Es muss ja nicht immer eine Überfülle sein.
    Die Menschenmassen würden mich allerdings abschrecken. Wir waren beim letzten NL-Besuch in Haarlem, der kleinen Schwester von Amsterdam, sehr idyllisch, viel ruhiger.
    LG, Ingrid

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