Mittwoch, 4. Mai 2016

Absonderliches


 
Lotta schrieb gestern von den kleine Freuden, die einem den Alltag verschönen. Ich gestehe, als es Ende April in Thüringen noch schneite, war das für mich eine solche kleine Freude. Klingt vielleicht ein wenig absurd. Aber durch dichtes Schneetreiben zu fahren, während rundherum alles grünt und blüht, war so absonderlich, dass es schon wieder etwas Schönes hatte.


Und als die fetten Flocken in den höheren Lagen dann auch noch für eine Weile liegen blieben, nahm ich die erstbeste Schneise und hielt für ein paar CU-Fotos für Siglindes Projekt an. Soetwas muss doch festgehalten werden. Sattes Grün mit Weiß - wann sieht man das schon?

Und noch etwas Absonderliches gibt es zu berichten. Aber vielleicht ist es gar nicht so absonderlich, sondern typisch für die heutige Zeit. Ich weiß es nicht. Sagt Ihr es mir.

Wir wohnte etwas außerhalb von Weimar, in so einer abseits gelegenen Bettenburg in Legefeld. Am ersten Abend fragte ich die junge Rezeptionistin, ob es denn am Ort etwas Interessantes gäbe.
"Hier bei uns? Neee!"
Ihre Antwort kam so prompt und überzeugend, dass mir erst einmal der Unterkiefer runterklappte.
"Na ja, wir haben einen Supermarkt und einen Griechen, aber mehr nicht."
Wir schauten uns eine Weile an und jede hielt die anderen wohl für etwas doof. Ich jedenfalls hielt sie für etwas doof, hatte ich doch ein Schild "Ortsmitte" gesehen. Und warum ein Schild, wenn dort dann nichts ist?
Also fing ich noch einmal von vorne an: "Gibt es hier gar nichts, dass man sich ansehen kann?"
Wieder kam prompt dieses überzeugte"Nee".
"Keine Kirche, keinen alten Ortskern?"
Die junge Dame grübelte eine Weile.
"Doch, eine Kirche haben wir."
Sie grübelte weiter.
Dann erhellte sich ihr Gesicht: "Und eine Feuerwehr haben wir auch."
?????


Als junge Rezeptionistin muss man ja nicht unbedingt wissen, dass diese kleine Kirche nach einem großen Brand Ende des  18. Jahrhunderts auf Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert errichtet und der Ort 1290 erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Aber wenn ein älteres Semester fragt, ob es in der Nähe etwas zum Anschauen gibt, könnte einer jungen Rezeptionistin doch wenigstens einfallen, dass da eine olle Kirche rumsteht mit einem ollen Friedhof dran und auch ein paar olle Häuser. Oder sehe ich das falsch?


Die Kirche war leider verschlossen, wie fast alle Kirchen auf den Dörfern. So konnte ich weder die Glocke aus dem Jahre 1783, die übrigens noch immer mit einem Seil geläutet werden kann, noch die Orgel von 1842 sehen. Schade. Die Kirche soll innen insgesamt sehr schön sein. Aber die Zeit, einen Schlüssel aufzutreiben, hatten wir leider nicht.


 Doch über den alten Kirchhof bin ich noch spaziert.


Ich liebe es, alte Grabinschriften zu lesen.


Und alte Dächer finde ich auch immer wieder schön.


Noch ein letzter Blick von hinten aufs Dorf und dann ging's nach Schmalkalden.
Und wieder schneite es. 


Für Frauke gibt's davon ein Foto in Schwarzweiß und so ganz ohne Grün schaut es aus, als sei's November.

Euch noch einen schönen Resttag
Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Jaaaa, Feuerwehr ist ganz wichtig, die blauen Jungs mag ich sehr.
    Und Schneee bibber bibber, aber super gelungen deine Bilder.

    Lieben Gruß Eva

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  2. Liebe Katala,
    eine wunderschöne alte Kirche und ein herrlicher alter Kirchhof. Warum soll man das als junge Rezeptionärin wissen? Die kommen einfach nicht auf den Gedanken, dass sich jemand gerade für das interessiert. Ds fällt immr mehr auf.
    "Das ist was für alte Leute" - hörte ich neulich.
    Deine Fotos sind alle wunderschön - auch die Schneebilder.
    Einen angenehmen Restabend wünscht dir
    Irmi

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  3. Was für eine hübsche kleine Kirche! Ich denke, hätte es im Ort irgendeinen großen Klamottenanbieter von Firma XY gegeben, die Antwort wäre als "Ja" ausgefallen...so verschieden sind nun mal Prioritäten...;-). Am Freitag kannst du dich dann wieder bei mir verlinken, wenn du magst. So für 5 Minuten fände ich Schnee und gleichzeitig Grün auch mal ganz nett...;-). LG Lotta.

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  4. Ach ihr Lieben, vielleicht gibt es einfach keinen, der den jungen Leuten das Interesse an Ihrer Umgebung weckt! Die Klamottenketten machen mehr auf sich aufmerksam, da mehr Geld als das Bildungswesen zur Verfügung. Wir haben die Jugend, die wir verdienen.
    Meint eine, die Jahrzehnte versucht hat, die Kinder für ihre Stadt zu interessieren...
    Astrid
    Das Bild mit den Dächern spricht mich sehr an...

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  5. Woran man täglich so nebenbei vorbeikommt, ohne es je kennengelernt zu haben, das ist eben leider oft nicht interessant, da "gibt es nichts zu sehen". Man guckt ja auch nie wirklich hin...
    Über alte Friedhöfe zu gehen und die Aufschriften zu lesen, das mache ich auch sehr gerne und versuche dabei, mir anhand der Daten manche Lebensgeschichten auszumalen.
    Liebe Grüße, Brigitte

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  6. Was für eine wunderschöne alte Kirche und diese roten Ziegel-Dächer.. hach! Die junge Dame scheint doch einen anderen Blick gehabt zu haben.. grins! Überrascht war ich von der Inschrift. Jenny. Ich dachte, es wäre eher ein moderner Name.. schön. Ganz liebe Grüße, Nicole

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  7. Ich hoffe die junge Frau kommt, wie ich, im Älterwerden darauf, dass man das zeitlos Schöne und das Interessante (auch) in den gewohnten Dingen findet. Ab meinem 13. Lebensjahr wohnte ich (schultechnisch) nicht mehr daheim und wenn ich heute nach Hause komme, gibt es eine Menge zu entdecken, das aber auch zu meiner Jugendzeit schon da war. Die Jugend strebt fort. Wir sollten sie nicht aufhalten, denn dann kommen sie eines Tages (vielleicht) zurück und bewundern das kleine alte Kirchlein "nebenan".

    Beste Grüße
    Beate

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  8. Da bin ich aber froh, dass ich Dich bei Irmi entdeckt habe. Dein Bericht passt gut in unsere Erfahrungen. Gott sei Dank gibt es ja auch andere und wenn man sich nicht entmutigen lässt, macht man die tollsten Entdeckungen. Ich werde jetzt öfter vorbeischauen.
    LG
    Magdalena

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  9. Was für wunderschöne Bilder! Ich liebe solche Dörfer und ehrlich gesagt auch Friedhöfe. Wien, Prag, Barcelona, etc... und wo zieht´s mich hin - zu einem kleinen Freidhofsabstecher. Bei uns in der Eifel hat man in den 60ger und 70ger Jahren leider richtig gewütet und sehr viel Altes einfach wegrationalisiert und verschlimm-erneuert.
    Wünsche dir, auch wenn du den Frühlingsschnee magst, heute doch Sonne und einen herrlich warmen Tag!
    Liebe Grüße von mir!
    Solveig

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  10. ...du hast die Schönheiten des Ortes doch gefunden, liebe Katala,
    und vielleicht liest die junge Dame ja hier mit ;-)...oder du schickst ihr mal den Link...und wenn ich mal dort hin komme, weiß ich ja nun, wo ich was zum Anschauen finde,

    liebe Grüße
    Birgitt

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  11. Wenn ich das richtig verstanden habe warst du dort im Urlaub....? Soviel Unwissenheit in der Nähe von Weimar erstaunt mich schon sehr. Allerdings habe ich mich ganz früher auch nicht viel für Geschichte interessiert. Von einem Hotelmädchen würde ich das trotzdem erwarten... Erst Recht in dieser Gegend.
    LG Sigrun

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  12. Ich teile dein Empfinden ... da ist schon einiges absonderlich. Dass junge Leute kein Interesse an einer alten Kirche haben, möchte ich vielleicht noch verstehen können, aber dass man das als Rezeptionistin nicht weiß (also aus beruflichen Gründen), das ist sehr schade.
    Wie deine Fotos zeigen, ist es ein zauberhaftes Kirchlein mit einem ganz besonderen Dach auf dem Turm.
    LG, Ingrid

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  13. Oh je, die jungen Leute von Heute. Vermutlich hat sie Gedacht, Du suchst eine Kneipe oder Diskothek ;-)). Ja, die normalen Dinge schön zu finden und im Gewöhnlichen das Ungewöhnliche zu entdecken, das glaube ich, muss man erst lernen. Mancheiner braucht dafür fast mehr als nur ein Leben. Gut dass wir es können. Vielen Dank für die tollen Bilder und Erzählungen. Das Dreierdach, das finde ich, ist auch eine Sehenswürdigkeit! LG Marion

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  14. Auch wenns da nicht viel gab, hast du es geschafft das Schöne im Verborgenen zu entdecken! Und Kirchen mit Friedhöfen haben auf mich auch eine besondere Anziehungskraft. Ich könnte Stunden an solchen Orten verweilen!
    Hab ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße sende,
    Britta

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  15. Jaaa, so unterschiedlich können die Blicke auf das Dasein ausfallen. Die junge Frau zieht den Griechen wohl definitiv der Kirche vor... Dabei ist sie wunderschön. Hab ein tolles Wochenende. LG mila

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  16. Hallo Katala,
    tja, was soll man da sagen. Wenn man dort wohnt als junges Ding, gibt es wahrscheinlich nichts besonderes und man ist sich gar nicht bewusst was alles schön ist. Aber Du hast die schönen Aussichten toll eingefangen und uns mit den wunderbaren Fotos erfreut.
    LG und komm gut in die neue Woche
    Manu

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  17. Das ist ja der Hit: Schnee auf Sattgrün!
    Ich hatte heute, genau wie an den letzten Tagen, T-Shirt und kurze Buchse an, weil der Frühling mit aller Kraft ausgebrochen ist. Da ist es noch ein wenig surrealer, deine Schneebilder zu sehen.
    Aber das kommt davon, wenn die Kommentare sich wegen Gartenarbeit und Unlust stauen ...

    Hattest du denn wenigstens auch so richtig Frühling bevor jetzt die Eisheiligen zu Pfingsten anrücken?

    Liebe Grüße und bis gleich (ich hole auf) ... Frauke

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