Dienstag, 5. April 2016

Der Gemeine Schinkenwurz und seine zahlreichen Kinder

Sie haben es sich bei mir im Garten bequem gemacht. Hat man erst einmal eine Pflanze, hat man sehr bald ganz viele.

Quelle: Wikipedia
Der richtige Name ist Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis). Ein Neophyt.  Ursprünglich beheimatet in Amerika, kam sie Anfang des 17. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Europa. Inzwischen wächst sie verwildert überall an Wegesrändern.

Dass die Nachtkerze aber auch eine sehr alte Gemüsepflanze ist, erfuhr ich zum ersten Mal vor etlichen Jahren beim Besuch eines Schaugartens des "Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V." (klick). Da die Pflanze anspruchslos ist und auf fast jedem Boden wächst, war sie im 19. Jahrhundert in vielen Bauerngärten zu finden. Heute weiß man darum kaum noch.
Dabei kann man von dieser Pflanze so ziemlich alles verwerten. Blüten und Blätter können in den Salat. Die unreifen Samenkapseln und die Wurzeln kann man als Gemüse kochen. Und als Heilpflanze ist sie auch nicht zu verachten. Das Öl der Samen wird hoch geschätzt.

So war ich sehr erfreut, als ich plötzlich eine Nachtkerze in meinem Garten entdeckte. Ich ließ sie wachsen und gedeihen und als sich endlich die ersten Blüten öffneten, kamen sie sofort in den Salat. Sie schmeckten mir aber nicht und ich überließ die Pflanze fortan sich selbst.


Sie reifte heran, bildete unzählige Samen aus und verstreute sie überall in  meinen Garten des Grauens.


Nun ist er voller wunderschöner, aber leider sehr lästiger Blattrosetten. Überall wachsen sie. Zwischen den Erdbeeren. Zwischen den Kräutern. Immer dort, wo ich sie überhaupt nicht haben will.

Die größten habe ich vorsichtig ausgegraben, um endlich einmal die Wurzeln zu kosten, die der Pflanze auch den Namen Schinkenwurz gaben.
Eigentlich erntet man sie ja im Herbst, aber im zeitigen Frühjahr, bevor sie beginnen, die Blüten auszubilden, kann man sie auch noch nehmen.


Ich habe schon die unterschiedlichsten Erklärungen gehört, wie sie zum Namen Schinkenwurz kamen. Die einen sagen, dass die Wurzeln beim Kochen schinkenrot anlaufen. Stimmt nicht. Sie verlieren beim Kochen sogar die Farbe, die sie oben am Blattansatz haben. Die anderen meinen, dass sie nach Schinken schmecken. Stimmt kein bisschen. Sie sind zuckersüß, ein richtiges Kindergemüse, und werden darum mancherorts auch Süßwurzel genannt.
Ich glaube, man nennt sie  Schinkenwurz, weil sie sehr stärke-, eiweiß- und mineralstoffhaltig sind und gut ein riesiges Steak ersetzten können.
Ich finde sie sehr lecker. Mit etwas Butter, Knoblauch, Schmand und viel Pfeffer ergaben sie eine feine Mahlzeit.
Also werde ich künftig eine kleine Ecke im Garten für den Anbau dieses alten Gemüses reservieren. Man sollte den alten Kulturpflanzen überhaupt wieder viel mehr Beachtung schenken, denn die sind garantiert nicht genmanipuliert.

Vielleicht finde ich heute ja sogar noch ein paar Wurzeln. Sie sollen sehr gut für die Rekonvaleszenz sein und das können wir hier gerade gut gebrauchen. Die Bazillen sind nämlich immer noch nicht aus dem Haus.

Euch allen einen schönen Frühlingstag
Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Oh ja...zahlreiche Kinder...du sagst es...;-). Erinnert mich an die Goldrute...leider ist der Platz in meinem Garten beschränkt...er ist schon für den Giersch reserviert...man muss Prioritäten setzen...;-). Interessanter Post! Gute Besserung weiterhin! LG Lotta.

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  2. Das sind ja mal wissenswerte Sachen, die ich hier heute erfahre... Früher, als der Garten ganz in meines Vaters Hand war, gab es hier sehr viele Nachtkerzen. Denen haben wir im Laufe der Zeit den Garaus gemacht. Bedauerlich, wie ich jetzt finde. Nach dem Post werde ich mal wieder welche ansiedeln. Das muß ich doch mal kulinarisch ausprobieren. Liebe Grüße.

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  3. Ein sehr interessanter Beitrag zu Nachtkerze. Sind viele Dinge dabei, die ich nicht wusste. Ich persönlich mag sie nicht so gerne, da ich kein besonders großer Gelb Fan bin. Aber als Salbe schätze ich sie - gegessen habe ich sie noch nie und wusste auch nicht, das man dies tun kann. Vielen Dank dass Du sie uns näher gebracht hast, auch wenn sie bei mir nicht wurzeln darf! LG Marion

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  4. Liebe K.

    ach ich liebe solch naturbelassenes Essen. Echt klasse, dass du so experimentierfreudig bist. Danke für den schönen Post.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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  5. Das man die Wurzeln der Nachtkerze essen kann, wußte ich auch noch nicht, Katala! Aber nun weiß ich, warum sie bei uns im Garten zu finden ist. Der Wind muss den Samen einfach herübergeweht haben ;)) Ganz liebe Grüße in den Abend, Nicole

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  6. Dass die Samen essbar sind und das Öl gut gegen Ekzeme ist, wusste ich schon, aber das mit den Wurzeln ist mir jetzt neu. Ich hab keine Nachtkerzen im Garten, und nach dem, was du schreibst, probiere ich es auch lieber nicht aus, da in unserem Garten alles derartige unglaublich wuchert. Aber in den Weinbergen, an den Mäuerchen und Rändern wachsen viele, da kann ich im Herbst ja mal graben...
    Hab eine gute Zeit!
    Brigitte

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  7. ...sehr interessant, liebe Katala,
    was du da über diese Pflanze zu berichten weist...ich habe keine im Garten, aber wenn mal eine hergeweht kommt, dann lasse ich sie wachsen...vorerst jedenfalls, dann esse ich sie auf ;-),

    gute Genesung dir,
    lieber Gruß
    Birgitt

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  8. Das ist ja wirklich spannend. Jetzt werde ich sie mit ganz anderen Augen ansehen (und auch mal ausgraben). Aber in unserem Garten ist sie bislang noch nicht aufgetaucht (dafür hat sich jetzt der Kerbel, der im letzten Jahr im Topf auf der Terrasse blühte, aufgemacht, den Garten zu erobern...)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Hallo Katala,
    doch das wußte ich und ich habe vor einiger Zeit mal einen Wildkräutergang gemacht und habe in einem Post die Nachtkerze hier

    http://rundumludwigsburg.blogspot.de/2015/06/ist-sie-nicht-schon.html

    schon mal vorgestellt.

    Ich finde sie wunderschöne.

    Lieben Gruß Eva
    die sich auf die Jungerlilie freut

    http://rundumludwigsburg.blogspot.de/2015/05/junkerlilie-am-makromontag.html

    Lieben Gruß Eva

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  10. Das hätte ich jetzt nie gedacht! Ich hielt sie einfach nur für schön. - Es ist allerdings tatsächlich so, dass manche Pflanzen den ganzen Garten übernehmen wollen ;-)
    LG, Ingrid

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  11. Da scheint mir ein neues Projekt ins Haus zu stehen, die Frage nämlich: Ist die Nachtkerze schwedentauglich? Ich mach mich auf die Suche, denn das liest sich nicht nur äußerst spannend, sondern ebenso kulinarisch, gesundheitlich und kosmetisch wertvoll. Danke für diesen Tipp und die Ausführungen dazu!!!!!

    Lieben Gruß, Beate

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  12. na sowas! aufessen kann man sie also. ich bin begeistert, denn ich habe sie masssenweise hier im garten. sie wachsen allüberall zu riesigen büschen heran und haben uns letztes jahr direkt an der terrasse mit ihren nachts geöffneten blüten erfreut. sie sind nämlich hochinteressant für alle nachtfalter! dass auch menschen sich davon ernähren können war mir ganz unbekannt. morgen hol ich den spaten aus dem schuppen!!
    liebe grüße von mano

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