Freitag, 27. Februar 2015

Kein DIY - aber Schneeglöckchen

Freitag. Schon wieder ist eine Woche um. Die Werkelwut hat mich noch voll im Griff. Der Tag könnte 48 Stunden haben. Besser vielleicht noch ein paar mehr, damit ich auch noch Zeit finde, bei Euch zu kommentieren, auf Eure lieben Kommentare zu antworten.
Ich glaube, ich bin im Moment ein wenig manisch. Nicht im klinischen Sinne. Keine Angst. Ein Arzt ist nicht nötig. Aber mein Hang, in Extreme zu verfallen, kommt gerade wieder einmal durch. Nächtelang hänge ich im Internet und in youtube, um zu lernen, was man aus Stoffen so alles machen kann und vor allem wie. Alles, was nichts mit Stoffen zu tun hat, vergesse ich, selbst das Essen.
Aber wenigstens ein paar Blümchen habe ich für Euch.


Denn es ist ja Freitag, Blumentag bei "Holunderbluetchen". Und für Helgas allfreitägliche Sammlung und Euch zur Freude - so hoffe ich zumindest - sind die Schneeglöckchen.

 

Am Samstag, auf der Fahrt ins Altenteil habe ich sie gepflückt. Ich kenne da eine Stelle. Ein verlassenes Grundstück. Überall sprießen sie dort aus dem Boden. Hunderte. Morgen werde ich mir noch einmal ein paar mitnehmen.  

Aber noch ist ja Freitag. Und wie schon gesagt: Die Woche ist um und ich habe etwas nicht geschafft. Und dabei hatte ich doch versprochen zu erklären, wie man so eine materialvermixte Karte bastelt. 
Diese ist einfach passiert. 

Kennt Ihr das? Ihr seht etwas und wollt es unbedingt selbst versuchen. Möglichst sofort. Und allsogleich wird zusammengesucht, was man brauchen könnte, und los geht's. Kein Konzept. Kein Plan. Nur Machen.
Weil die Manu krank war und ich ihr eine Freude bereiten wollte, habe ich ihr die Karte geschickt. Und weil Manu wissen wollte, wie man so eine Karte macht, habe ich ihr versprochen, das hier zu erklären.


Also habe ich gestern abend wieder alles zusammengesucht, was man braucht, und angefangen. Dieses Mal mit Plan.


So etwa sollte die Karte aussehen. Was dabei herauskam, ähnelte dem kein bisschen. Es sah nicht nur ganz anders, sondern schlechterdings doof aus.
Und wer war schuld?
Frau Links.
Und wer ist Frau Links?
Frau Links ist dieses nervige Wesen in meinem Hirn, das, wenn ich zu zeichnen beginne, immer alles besser zu wissen glaubt (siehe Birkenbihl - klick und klick und klick). 
Frau Links ist auch diejenige, die sich eines ganz besonders aus der Schulzeit gemerkt hat:

Ich kann NICHT zeichnen.

Meine Linien sind nicht gerade, meine Kreise nicht rund und meine Zeichnungen genau so krakelig wie meine Handschrift.

ERGO: Ich kann nicht zeichnen.

Als Kind habe ich, wie wohl die meisten Kinder,  viel und gerne gezeichnet und gemalt. Doch dann ereilte mich die schulische Erziehung und die Lust am Zeichnen war vorbei. In langweiligen Unterrichtsstunden habe ich fortan nur noch Rechenheftkästchen und zu Hause Illustrationen in Büchern bunt ausgemalt. Mehr konnte ich ja sowieso nicht.
Viele Jahre später begriff ich das Prinzip, nach dem diese Lehreinheit funktioniert.
Ich holte meine Tochter aus dem Kindergarten ab. Im Umkleideraum pinnten immer die neuesten Bastelarbeiten und Bilder der Kinder. Vorne links, dort, wo man zuerst hinsah, hingen die Arbeiten, die von den Erzieherinnen als besonders gelungen gewertet wurden, und dann ging's nach rechts weg. Meistens sah ich mir die Werke gar nicht richtig an, denn was mir da als erstes in die Augen fiel, war meist der Aufmerksamkeit nicht wert. Es waren artige Versuche, den Anforderungen der Erzieherinnen gerecht zu werden. Und höchstes Ziel war nicht Phantasie und Kreativität, sondern ein möglichst genaues Abbild der Realität mit geraden Linien und runden Kreisen. Doch an diesem einen Tag machte mich meine Tochter, deren Arbeiten immer irgendwo im hinteren Drittel rangierten, auf das letzte Bild in der Reihe aufmerksam, weil es öffentlich als besonders häßlich und schrecklich klassifiziert und extra mit großem Abstand zu allen anderen Bildern gehängt worden war.
Doch eben dieses Bild war das schönste gemalte Auto, das ich je gesehen habe. Schreiend bunte Farben. Nur wenige dicke Pinselstriche. Und es füllte das ganze Blatt aus. Nichts daran war gerade. Kein Rad war rund. Aber es war voller Kraft, voller Phantasie. Und niemand hat dem Kind gesagt, was ihm da Schönes gelungen war. Im Gegenteil.
Bis heute ist mir dieses Bild vor Augen. Auch als Sinnbild dafür, wie wenig man darauf geben sollte, was einem Erziehungsanstalten weißzumachen versuchen. Und seitdem ich all die "falschen" Bücher gelesen habe, weiß ich auch, dass ich damit Recht habe.

Aber zurück zu Frau Links, die ich beim Zeichnen der Vorlage für die Karte noch austricksen konnte, weil ich gleichzeitig telefonierte. Am Abend dann gelang mir das nicht mehr. Da hat mich dann Frau Links ausgetrickst. Und obwohl ich um ihre Macht weiß, habe ich es zugelassen, weil ich müde war und weil es schnell gehen sollte. Und so ist aus meinem Plan nichts geworden.


Nach vier Stunden und mehreren Verzweiflungsanfällen, weil alle Rettungsversuche an der Karte scheiterten, habe ich aufgehört. Völlig entnervt. Der Gatte war auch entnervt, weil's auf dem Küchentisch aussah wie nach der Explosion einer Bastelbombe und ich mich weigerte, vor dem Morgen noch irgendeinen Handgriff zu machen.
Verloren war der Abend jedoch nicht, denn ich habe etwas gelernt, ganz praktisch und am Beispiel: 

1. Benutze die Augen und lass nicht zu, dass Frau Links sich einmischt. 

2. Je schneller du fertig werden willst, desto mehr Zeit nimm dir.

Und mit diese Merksätzen im Hinterkopf versuche ich es noch einmal mit der Postkarte, ausgeruht und langsam, nächste Woche.  
 
Jetzt werde ich noch ein paar Stoffe zerreißen, verknoten und wickeln. Das bekomme ich auch ganz ordentlich hin, wenn ich müde bin. 


Als die ersten Knäuel fertig waren, habe ich natürlich gleich ein paar Runden probegehäkelt. Und es funktioniert. Die Häkelnadel hat genau die richtige Stärke. Das Maschenbild sieht annähernd gleich aus. Dem Projekt "Oma-Teppich" steht also nichts im Wege.

Habt alle ein schönes Wochenende.

Lieben Gruß
Katala

Freitag, 20. Februar 2015

Blumen in der Nacht

Der Werkelwahn hat mich im Griff, darum auch nur ein Foto von den Tulpen auf meinem Schreibtisch für Helgas Sammlung.


Und weil ich das Foto am späten Abend aufgenommen habe - mit Stativ und allem Chichi - darf es am Sonntag auch noch zu Lotta, die dann in ihrem Fotoprojekt "Bunt ist die Welt" Nachtaufnahmen sammelt.

Habt alle ein schönes Wochenende.
Lieben Gruß
Katala

Donnerstag, 19. Februar 2015

Winterbunt und Werkelwut


Eingekuschelt in Kissen und Decken, aber mit eisigen Füßen saß ich vor einiger Zeit in meiner Kammer im Altenteil. Unter mir der Keller, aus dem die Kälte hochstieg. Das dünne Ikea-Teppichteilchen, das ich ja unbedingt haben musste, obwohl's der Gatte gleich prophezeite, schützte kein bisschen. Es war also höchste Zeit, endlich meinen "Oma-Teppich" in Angriff zu nehmen.


In den frühen Achtzigern hat meine Großmutter einen Flickenteppich nach dem anderen gehäkelt. Hat dafür bei den Nachbarn Lumpen gesammelt - sie war sich wirklich für nichts zu schade.
Als ich das erste Mal sah, was sie alles in Einzelteile zerlegt hatte, wäre ich vor Entsetzen fast in Ohnmacht gefallen. Kleider, Röcke und Blusen vergangener Zeiten aus den herrlichsten Stoffen. Ach, was hätte ich damals gerne all diese schönen, alten Fummel getragen. Aber zu spät. Alles an den Nähten entlang zerschnitten. Nur von einem alten Brautkleid gab es zwei größere Stoffstücke. Weißer Brokat! Daraus wurde ein Sommerrock für mich. Alle anderen Stoffe waren nur noch teppichfähig.
Den letzten Teppich hat meine Großmutter nicht mehr geschafft, bevor sie starb. Und so schleppe ich seit dreißig Jahren eine große, alte Reisetasche voller Lumpen und vierzehn fertig gehäkelte Quadrate mit mir durchs Leben. Ich konnte sie einfach nicht wegwerfen. Es steckte schon so viel Arbeit darin.

Vorigen Sommer fielen mir die Häkelteile wieder in die Hände. Da hatte ich auch endlich eine Idee für sie: ein Teppich für die Kammer. Ich habe sie ins Altenteil mitgenommen und da lagen sie wieder. Ich musste erst mächtig kalte Füße haben, um mich endlich ans Werk zu machen und die fertigen Quadrate zusammenzunähen. Zumindest zwölf davon. Vierzehn hätten ein Loch im Teppich ergeben.


Schön. Schön bunt. Winterbunt. Wenn draußen alles grau in grau ist, braucht's drinnen etwas Farbe.


Und wärmer ist es auch gleich. Doch noch ist der Teppich etwas klein. Ein paar Quadrate mehr könnte die Kammer noch vertragen. Doppelt so groß könnte der Teppich sein.
Vorige Woche habe ich endlich die Tasche mit den Lumpen hervorgekramt.


Der Plan:
1. alle Stoffe in Streifen schneiden oder reißen
2. Streifen verknoten
3. Knäuel wickeln


So viele schöne, alte Stoffe. Was man daraus sonst noch alles machen kann...

STOP!!!!!


Neuer Plan:
1. Stoffe sortieren. Ein Haufen für den Teppich. Ein Haufen für...

HILFE, jetzt habe ich einen schweren Anfall von wilder Werkelwut.
Fortsetzung folgt.

Lieben Gruß
Katala

Mal eben so


Lieben Gruß
Katala

Samstag, 14. Februar 2015

Weimar mit Folgen

Hallo, Ihr alle. Erst einmal Dank für Eure lieben Genesungswünsche. Das hat gut getan.
Vier Wochen hat es gebraucht, bis die Kopfschmerzen langsam nachließen.
Wieder einigermaßen gesund, wollten wir uns etwas Gutes leisten, der Gatte und ich.
Ganz spontag ging's los zu einen Kurztrip nach Weimar mit Übernachtung in einem Spahotel.


Ankunft in der blauen Stunde.  Und gleich einen riesigen Fehler gemacht, nämlich nach Weimar gefahren, um im SCHWARZEN BÄREN, dem ältesten Gasthof der Stadt, zu Abend zu essen. Der Gatte wollte es unbedingt wegen der ach so guten heimischen Küche dort. Nun, er war schon eine ganze Weile nicht mehr da.
Wenn es Euch je nach Weimar verschlägt, was ich alles in allem sehr empfehlen kann, dann macht um Himmels willen um dieses Restaurant einen großen Bogen. Jede Kantine kann es besser.

Uns war den Rest des Abends schlecht. Wir haben uns in die Therme gerettet und vor uns hin gespat.


Ich war noch nie in einem dieser Spa(ß)bäder. Im Sommer habe ich hier genügend Seen und im Winter ist mir sowieso immer nur kalt. Und außerdem mag ich kein Chlorwasser. Aber das hier war schon etwas ganz Eigenes: Ein Außenbecken, in dem man sich unter einem fahlen Wintermond treiben lassen kann oder einem im dichten Schneegestöber die eisigen Flocken ins Gesicht wehen - das hat was. Das tackert einem ein glücksseliges Lächeln ins Gesicht. Man merkt auch gar nicht, dass man friert. Wie als Kind muss man erst mit den Zähnen klappern, um endlich davon lassen zu können. Einfach geil.


Am Morgen vor der Abfahrt dann noch einen letzten Rundgang ums Hotel.


 Noch immer schneite es...


...und die Welt bestand fast nur aus Grautönen. 



 Als die Sonne es endlich geschafft hatte, fuhren wir noch einmal nach Weimar..


Kurzer Zwischenstop in Bad Berka. Als Kind habe ich hier in der Nähe einen ganzen Sommer auf einem Bauernhof verbracht. Ich dachte, ich könnte mich an irgend etwas erinnern, denn ich war auch einige Male hier im Ort gewesen. Aber nichts.
Um so lebhafter ist mir dafür  noch immer der riesige Kirschbaum vor Augen, in dessen Ästen wir saßen, Unmengen Kirschen aßen und mit den Kernen Zielspucken auf die unter uns weidenden Schweine spielten. So etwas merkt sich auch viel leichter als so ein kleines verschlafenes Nest.

Bis wir in Weimar waren, war die Sonne natürlich schon wieder weg, darum auch keine Fotos von der Stadt.
Aber ein Tip für alle, die Wolle und Stoffe lieben: Unbedingt den Laden Stoff-Art in der Altstadt, Eisfeld 3, besuchen. Von außen eher unscheinbar. Aber innen... Die schönsten Wollen dieser Welt.


Und nicht nur die sind sehenswert, sondern auch das kleine Atrium, das die beiden Verkaufräume miteinander verbindet.


Zum Glück hatte ich nur eine Viertelstunde Zeit, bis der Laden schloss, und es war viel zu schwer, sich zu entscheiden. Also kam nur ein ganz klein bisschen Wolle mit. Aber beim nächsten Weimarbesuch, dann werde ich...

Habt alle einen schönen Sonntag. Ich komme Euch besuchen.

Bis dahin
lieben Gruß
Katala

P.S.: Ach, ja, die Folgen: Kaum waren wir wieder zu Hause, hatten wir's beide am Ischias. Sitzen ging für eine gute Woche gar nicht. Liegen war auch keine Freude. Alte Leute sollten halt nicht mehr so lange im kalten Wasser planschen.