Donnerstag, 22. Oktober 2015

Von Ziegen und anderen Omas im Schlauchboot

Sicherlich kennt das der/die eine oder andere:
Da kommt ein Kollege/Bekannter/Freund oder wer auch immer und sagt:
"Mensch, weißte was mir XY erzählt hat? Ist ne irre Geschichte. Also, das ist ihm nicht selbst passiert, aber von einem Kumpel der Kumpel und von dessen Großtante ein Kollege - dem ist das passiert..."
Und dann folgt eine Geschichte, wie die von der Oma im Schlauchboot, die während des Polenurlaubs verstarb. Und weil man keinen Stress mit den Behörden haben wollte, hat man die Omaleiche gut im Schlauchboot verschnürt, das Boot auf dem Gepäckträger aufs Auto geschnallt und ist Richtung Heimat gefahren. Dummerdings hat man vor der Grenze noch eine Rast eingelegt und als man wieder zurück zum Auto kam, waren Auto, Schlauchboot und tote Oma geklaut.
All diese Geschichten haben etwas gemeinsam: Den leichten Gruseleffekt. Das Diffamieren von Menschengruppen/Volksgruppen. Das Nähren und Verstärken von Vorurteilen und Ängsten.
Und man wird denjenigen, dem diese Geschichte angeblich passiert ist, niemals treffen. Aber weil XY und XYs Kumpel sonst auch keinen Scheiß erzählen, muss es ja wahr sein.
Etliche dieser Geschichten halten sich über Generationen.
Als ich ein kleines Mädchen war, in den fünfziger Jahren, also mehr als zehn Jahre nach Kriegsende, erzählte man noch davon, wie die Russen im Tierpark die Kamele geschlachtet haben, um sie in die Pfanne zu hauen.
Die Besatzungstruppen sind weg. Aber die Geschichte lebt noch. Ein wenig verändert, der heutigen Zeit angepaßt.
So erzählte letztens der Lehrer für Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (L-E-R) an der Schule meines Enkels in eben jenem Fach, wie  Asylbewerber im Zoo eines Nachbarortes Ziegen geschlachtet hätten.
Nun könnte diese unsägliche Geschichte ja der Aufhänger für eine höchst spannende Unterrichtsstunde sein. Man könnte erklären, wieso der Mensch Angst vor dem Fremden hat, woher dies kommt und wie man diese Angst im Laufe der Geschichte immer wieder genutzt und geschürt hat. Man könnte auch darlegen, dass man in anderen Kulturen andere Traditionen hat und woher diese kommen. Man könnte darüber reflektieren, wie wichtig für den Einzelnen das Leben von althergebrachten Traditionen ist, wie wichtig für die eigene Identität und das Selbstbewußtsein. Man könnte ganz vieles an dieser blöden Geschichte aufhängen. Man könnte natürlich auch- und das vielleicht zuerst - die Schüler beauftragen, den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte zu überprüfen, damit sie lernen, nichts alles unhinterfragt zu glauben. Sie sind dreizehn Jahre alt. Da sollte man soetwas langsam lernen - vor allem in einer LuBK.
Aber was macht dieser Lehrer? Er erzählt diese Geschichte kurz vor dem Klingeln, grinst dazu und geht.
Wo hat dieser Mensch sein Gehirn geparkt, wenn er unterrichtet?
Wo haben all die anderen Menschen, die tagtäglich diese und alle anderen Geschichten über die Untaten der Asylbewerber erzählen und  anhören und glauben, ihr Gehirn geparkt?
Ich bin ja gerne bereit, Toleranz zu üben - auch denen gegenüber, die nicht so denken wie ich. Ich kann 'ne Menge erklären, nicht entschuldigen, aber erklären. Aber alles hat seine Grenzen.
Meine Toleranz ist erschöpft.
Die grenzenlose Dummheit und Denkfaulheit der Menschen macht mich krank.
Ich möchte nur noch schreien.
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Kommentare:

  1. Alles möglich! Ich habe in meinen fast 40 Jahren Kollegen gehabt, da habe ich mich gefragt, wie die mit ihrem beschränkten Verstand in diesen Beruf gekommen sind...Aber wenn man mitkriegt, wie selbst hier unter uns solche On-Dits in der Argumentation verwendet werden, wird mir auch langsam mulmig zumute...
    LG
    Astrid

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  2. Lustige Unterrichtsfächer habt ihr. Bei uns ist Ethik und Religion getrennt.
    Mh, der Lehrer scheint etwas überfordert. Vielleicht hätte er einfach mal die Klappe halten sollen und Malblätter austeilen.
    Zum Thema Tradition habe ich allerdings meine eigene Meinung, damit kann man auch die dämlichsten Dinge rechtfertigen.....
    Liebe Grüße

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  3. Liebe Katala, ich bin total perplex. Ein Lehrer? Der sollte doch einbissel mehr Hirn im Kopf haben.. tsss?! Allerdings bin ich momentan sowieso sehr verloren, wenn ich um mich herum hinhöre.. Menschen, die immer geholfen haben und von denen ich es auf keinen Fall erwartet habe.. machen ihre Hirne und ihre Herzen zu. Wo soll das bloß hinführen? Drück' Dich, Frau Nachbarin!! Herzlichst, Nicole

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  4. Liebe Katala,
    über den Unterrichtet der heutigen Zeit mag ich gar nicht mehr reden. Alles wird den Kinder vor den Latz gehauen. Friss oder stirb! Kapier' oder bleib' auf der Strecke!!
    Was bin ich froh über meine Schulzeit, als als wir Dinge noch erfahren durften!
    Ja, und dann die Situation der momentanen Zeit. Da ist bei mir auch das Gedankenkarussell ständig an!
    Meine Eltern waren mit uns beiden Kindern vor vielen Jahren auch mal Wirtschaftsflüchtlinge. Aus eigener Schuld, allerdings!
    Nicht von so weit her, nicht mit Sprachbarrieren, aber als Kind eine schlimme Erfahrung.
    Nun kommt der Sohn von der Schule mit seinen Gedanken, die sich aus Gesprächen mit anderen ergeben, die man dann hier wieder neutralisieren muss.
    Hinzu kommt die GL-Lehrerin, die meint, daß es nun bald mit Anschlägen losgehen wird!
    Oh, mir macht auch Angst, was werden wird! Aber wir sind alle Menschen! Wir sehnen uns alle nach Frieden!
    Und gerade unsere Kinder, die mit vielen dieser Menschen die kommende Welt leben müssen, sollten doch anders daran geführt werden, als mit Ekel oder Hass!
    Einen lieben Gruß von mir, Elke

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  5. Hallo Katala,
    na, super Lehrer! Was soll man dazu sagen, wahrscheinlich hat er gar nicht nachgedacht. Aber das Fach kenne ich gar nicht. Bei uns gibt es Religion und wer da nicht hin möchte, geht in Ethik, so ein Mischfach kenne ich gar nicht.
    LG und ein schönes Wochenende
    Manu

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  6. Ist diese ignorante Dummheit eigentlich ansteckend?
    Scheint mir fast so. Weil überall solche dummen Menschen unterwegs sind und sich permanent vermehren.
    Mir fallen dazu ziemlich unflätige Wörter ein ...
    Liebe Grüße ... Frauke

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  7. Herrje. Ich bin eigentlich ständig nur noch angewidert. Hoffentlich war es "nur" Dummheit, die diesen Lehrer angetrieben hat. Ansonsten ist es ja noch grausiger. LG mila

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