Samstag, 20. Juni 2015

Brandenburger Landpartie

Letzten Samstag war ich ja etwas in Eile. Ich musste los, ins Altenteil. Das Enkelprinzesschen hatte Geburtstag und zur Brandenburger Landpartie waren wir auch eingeladen.


Unterwegs fürs Prinzesschen noch einen großen Strauß Kornblumen gepflückt.


Riesige Felder sind hier blau. Nichts als Kornblumen darauf. Wenn je etwas anderes gesät wurde, dann ist nix daraus geworden. Wäre ja auch kein Wunder bei der Trockenheit. Aber zumindest versprach der Himmel diesmal wirklich Regen. Viel war es jedoch nicht, was dann herunterkam. Der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Mehr nicht.


Am Sonntag schien schon wieder die Sonne. Fürs Fest natürlich viel schöner.

Wer mag, kann das Rätsel gern lösen. Die Preise sind aber schon weg.

Die Schafe, um die es im Rätsel geht, verstecken sich irgendwo hinter der Scheune.

Viel zu viel Betrieb für die Tiere.

Aber schicke Motorräder und Autos konnte man schauen. Auch nicht schlecht.

Doch es gab nicht nur keine Tiere, aber dafür Fahrzeuge zu bestaunen und natürlich jede Menge zu essen und zu trinken, sondern auch eine Feldschmiede. Hatte ich vorher noch nie gesehen.


So einfache Techniken faszinieren mich immer. Nur ein bisschen treten und schon wird das Feuer angefacht. Und es funktioniert. Das Eisen ist schmiedbar.

Am späten Nachmittag dann endlich die Gänse besucht.


Wie groß die Gössel schon sind.


Oh je, kaum noch Wasser in der Schüssel. Das muss geändert werden.




Eine gute Gelegenheit zum Spielen. Das Wasser schlägt so schöne Blasen. Die Federn tanzen so fein. Alte Frau freut sich. Die Zeit vergeht. Was noch getan werden muss, muss warten. So vertrödelt sich ein Sonntag.

Weil ich ungern in der Dämmerung fahre, es vorher aber fast nie schaffe, ist es meist nach Zehn, bis ich loskomme. Ganz klar, dass es auch an diesem Sonntag so war.

Gut 70 Kilometer über die Dörfer durch die Nacht. Damit ich schön wachsam bleibe, zähle ich. Alles, was mir begegnet. War 'ne Menge los auf den Straßen. Noch nicht einmal die Hälfte der Strecke und schon sieben Rehe, fünf Füchse, fünf Katzen und einen Igel gesehen. Allerdings nicht ein einziges Auto. Sonst sind es wenigstens ein oder zwei. Diesmal keins.
Es kam, wie es irgendwann einmal kommen musste: Mein Auto machte plötzlich sehr bedenkliche Geräusche.
Angehalten. Ausgestiegen. Nur ein Platter. Nicht weiter schlimm.
Warnweste angezogen. Warndreieck aufgestellt. Wagenheber schon mal positioniert. Jetzt schnell  das Ersatzrad montieren. Alles wird gut.
Aber wo ist das Ersatzrad? Ich habe sogar unter den Sitzen gesucht. Kein Ersatzrad da. Blöd. Sehr blöd.
Was nun? Alte Frau hat ja auch kein Handy. Weigert sich ja strikt, sich so ein Ding anzuschaffen. Nun gut, irgendwann wird jemand kommen, der eines besitzt. Es kommt aber niemand.
Weiterfahren? Ich hab's versucht. Bis zum nächsten Waldweg. Etwa zweihundert Meter. Ging gar nicht gut. Irgendwann wäre ich auf der Felge weitergerutscht. Aber wenigstens stand ich nicht mehr auf der Straße.
Immer noch kam kein Auto.




Um die Langeweile zu vertreiben, Fotos gemacht. Dann endlich ein Licht in der Ferne.
Mit der Kamera in der Hand am Straßenrand stehen und winken? Keine gute Idee. Also Kamera schnell ins Auto gebracht, wieder vorgerannt und gewunken.
Das Auto fuhr im großen Bogen um mich herum.
Um ehrlich zu sein: ich hätte sicher auch nicht angehalten. Es war inzwischen schon nach Zwölf. Ich sah fit aus, das Auto sah fit aus, immerhin lief es noch, und wer kann sich heutzutage schon vorstellen, dass jemand kein Handy besitzt...
Wieder warten.
Das Licht am Auto anlassen? Dann ist bald die Batterie leer. Den Motor laufen lassen? Dann ist bald der Tank leer. Also Licht aus. In die Finsternis starren. Kein Mond. Kein Licht. Nur schwarzer Wald. Rechts. Links. Vorne. Hinten.
Da kann ich auch bis zum Morgen schlafen.
Ich hatte es mir gerade, soweit das in diesem Auto überhaupt geht, gemütlich gemacht, als doch wieder ein Licht in der Ferne auftauchte.
Ein Hoch auf alle Fernfahrer dieser Welt, die anhalten, wenn jemand Hilfe braucht, und sei es mitten in der Nacht. Dieser junge Mann, dem mein ganzer Dank gebührt, hat versucht, das Rad zu reparieren - mit diesem blöden Reifenreparaturset, das natürlich nicht funktionierte. Er hat den Abschleppdienst organisiert. Und er hat mich gelehrt, dass zur Grundausstattung eines Autos heutzutage keine Ersatzreifen mehr gehört. Wer kommt denn auf so eine blöde Idee?
Bis ich zu Hause war, war es 5.00 Uhr. Im Bett 5.30. Wecker auf  7.30, denn ich musste ja wenigstens Bescheid sagen, dass ich nicht kommen kann.
Was für  ein blöder Montag: Zu allem zu müde und nicht schlafen können, weil ich im Hellen nicht einschlafen kann.
Früher hat mir eine Nacht ohne Schlaf nicht viel ausgemacht. Inzwischen brauche ich Tage, um mich davon zu erholen. Ich gähne immer noch, wenn ich an diese durchwachte Nacht denke. Aber spannend war's. Was für ein Abenteuer.
Schaffe ich mir jetzt ein Handy an? Nein.
Aber ein Ersatzreifen muss her.

In diesem Sinne - Euch allen ein schönes Restwochenende
Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Hallo Katala,
    oh je, da hat ja alles gepasst! Mein Auto hat auch kein Ersatzrad, aber das macht nichts, denn ich habe einmal versucht ein Räder zu wechseln und haben an beiden Autos keine einzige Schraube aufbekommen. Also wird das im Ernstfall wahrscheinlich auch nicht klappen...
    Ansonsten war es keine schöne Nacht für Dich und ich kann' Dich gut verstehen, denn solch lange Nächt stecke ich auch nicht mehr allzu gut weg.
    Ich wünsch' Dir nächste Woche eine ruhigere Zeit.
    LG
    Manu

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  2. Mensch Katala...du machst Sachen...Ohne Handy? Ich weiß nicht genau, ob es meine Rettung gewesen wäre, wenn ich ein Ersatzrad mitgehabt hätte...;-))). LG Lotta.

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  3. Was Du für Sachen machst, Katala! Ohne Handy nachts alleine unterwegs.. schüttel den Kopf!! Vielleicht solltest Du doch.. ähem!! Das Kornblumenfeld ist wunderschön und sowas gibt es bei Euch in der freien Natur.. hier ist alles nur grün (zugegeben eher gelb nach der ganzen Dürre!). Ganz liebe Grüße, Nicole (die Deine Fotos vom Schmied erstmal ihrem Göttergatten zeigen muss, was für ein herrlicher Bart!!)

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  4. ...das klingt ja richtig abenteuerlich, liebe Katala,
    was du da nachts erlebt hast...gut, dass sich doch immer wieder hilfsbereite Menschen finden...und die Freude des Tages klingt noch immer durch,

    lieber Gruß Birgitt

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  5. Ach liebe Katala,
    das hätte ich sein können... hab' doch auch kein Handy! Aber in unserem alten Auto bestimmt einen Ersatzreifen, den ich wohl nicht wechseln könnte ;o)
    Aber irgendwie geht doch immer alles irgendwie! Auch wenn die Befindlichkeit im Alter etwas leidet ;o)))
    Jedenfalls war ansonsten, also vorher, alles schön!
    Der Enkel-Prinzessin alles Liebe zum Geburtstag!
    Und Paula bestelle mal viele Grüße. Sie hat ja lange nix mehr gepostet. Die Gösselchen sind schon so groß!!
    Eine schöne, neue Woche und liebe Grüße, Elke

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  6. Oh weh. Dein Post fing so schön an. Ich bewundere diese Kornblumenfelder, kenne sie nur von der Küste. Würde einen Korb Kirschen gegen einen Strauß Kornblumen tauschen.
    Von der Landpartie hatte ich auch gelesen, hat mich schon sehr gereizt. Ich mache ja die erste Ferienwoche Urlaub in der Brandenburger Einöde und da hätte es gut gepasst.
    Aber dann. Was für ein Krimi, ich habe die Luft angehalten beim lesen. Genau aus solchen Gründen kann ich nicht mehr ohne Handy - ich fühle mich einfach sicherer. Man kann es ja lautlos stellen und keinem die Nummer mitteilen :-)
    Da bewundere ich dich sehr. Wahrscheinlich wäre ich in Heulkrämpfe ausgebrochen.
    Ein erholsame Woche wünsche ich dir.
    Liebe Grüße

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