Donnerstag, 19. Februar 2015

Winterbunt und Werkelwut


Eingekuschelt in Kissen und Decken, aber mit eisigen Füßen saß ich vor einiger Zeit in meiner Kammer im Altenteil. Unter mir der Keller, aus dem die Kälte hochstieg. Das dünne Ikea-Teppichteilchen, das ich ja unbedingt haben musste, obwohl's der Gatte gleich prophezeite, schützte kein bisschen. Es war also höchste Zeit, endlich meinen "Oma-Teppich" in Angriff zu nehmen.


In den frühen Achtzigern hat meine Großmutter einen Flickenteppich nach dem anderen gehäkelt. Hat dafür bei den Nachbarn Lumpen gesammelt - sie war sich wirklich für nichts zu schade.
Als ich das erste Mal sah, was sie alles in Einzelteile zerlegt hatte, wäre ich vor Entsetzen fast in Ohnmacht gefallen. Kleider, Röcke und Blusen vergangener Zeiten aus den herrlichsten Stoffen. Ach, was hätte ich damals gerne all diese schönen, alten Fummel getragen. Aber zu spät. Alles an den Nähten entlang zerschnitten. Nur von einem alten Brautkleid gab es zwei größere Stoffstücke. Weißer Brokat! Daraus wurde ein Sommerrock für mich. Alle anderen Stoffe waren nur noch teppichfähig.
Den letzten Teppich hat meine Großmutter nicht mehr geschafft, bevor sie starb. Und so schleppe ich seit dreißig Jahren eine große, alte Reisetasche voller Lumpen und vierzehn fertig gehäkelte Quadrate mit mir durchs Leben. Ich konnte sie einfach nicht wegwerfen. Es steckte schon so viel Arbeit darin.

Vorigen Sommer fielen mir die Häkelteile wieder in die Hände. Da hatte ich auch endlich eine Idee für sie: ein Teppich für die Kammer. Ich habe sie ins Altenteil mitgenommen und da lagen sie wieder. Ich musste erst mächtig kalte Füße haben, um mich endlich ans Werk zu machen und die fertigen Quadrate zusammenzunähen. Zumindest zwölf davon. Vierzehn hätten ein Loch im Teppich ergeben.


Schön. Schön bunt. Winterbunt. Wenn draußen alles grau in grau ist, braucht's drinnen etwas Farbe.


Und wärmer ist es auch gleich. Doch noch ist der Teppich etwas klein. Ein paar Quadrate mehr könnte die Kammer noch vertragen. Doppelt so groß könnte der Teppich sein.
Vorige Woche habe ich endlich die Tasche mit den Lumpen hervorgekramt.


Der Plan:
1. alle Stoffe in Streifen schneiden oder reißen
2. Streifen verknoten
3. Knäuel wickeln


So viele schöne, alte Stoffe. Was man daraus sonst noch alles machen kann...

STOP!!!!!


Neuer Plan:
1. Stoffe sortieren. Ein Haufen für den Teppich. Ein Haufen für...

HILFE, jetzt habe ich einen schweren Anfall von wilder Werkelwut.
Fortsetzung folgt.

Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Liebe Katala,
    was kalte Füße so alles bewirken! Es ist eine tolle Erinnerung verarbeitet in einem Teppich. Toll. Vielleicht wären die vielen Klamotten sonst weggeworfen worden, so haben sie ein zweites Leben erhalten, auch wenn sie mit Füßen getreten werden. Sie erfüllen aber genau darin ihren Sinn!!!! Viel Freude damit und viel Freude am verarbeiten weiterer Stoffreste.
    Liebe Grüße von Stine

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  2. Wie schön!!! - ja, kalte Füße sind für viele Menschen ein Graus. Für mich ehrlich gsagt nicht- ich mag eher heisse Füsse nicht.
    Ich finde den Teppich toll und vor allem bei DIESEM Teppich hast Du nun ein wundreschönes Erinnerungsstück an Deine Oma - die freut sich garantiert, dass Du ihr Werk vollendest.
    Liebe Grüße und ich bin gespannt, was Dir noch einfällt, was Du aus den Lumpen zaubern kannst,
    Jacqui

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  3. Liebe Katala,
    was für eine schöne Geschichte! Und es ist so toll, daß er nun zu Ende gemacht wird. Zumindest mit einigen von der Großmutter ausgesuchten Stoffen... Ich bin gespannt, was aus dem anderen Teil wird???!!!
    Wir sind hier alle putzmunter, nur die Blogunlust hatte mich gepackt ;o) Danke für Deine liebe Nachfrage!
    Liebe Grüße ins Wochenende schickt Dir die Elke

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    1. Nun, dann bin ich beruhigt. Und winterliche Blogunlust ist mir auch bekannt. Wenn's draußen kalt ist, sitze ich auch lieber am warmen Ofen als am Computer.
      Auch Dir ein feines Wochenende
      Gruß
      Katala

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  4. Das ist ja eine tolle Geschichte! Und überleg' dir mal, wie deine Oma jetzt auf ihrer Wolke sitzt und sich freut, dass du weitermachst ;-)
    Ich bin gespannt, ob der Teppich noch größer wird!

    Liebe Grüße ... Frauke

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  5. Hallo Katala,
    wow, der schaut aber toll aus. 30 Jahre - und dann kommt es zu einem guten Ende, das ist eine schöne Geschichte. Ob ich wohl in 30 Jahren am Knüpfteppich meiner Mama sitze? Sie bringt ihn schon seit Jahren nicht zu Ende, aber wegwerfen mag sie ihn auch nicht.
    So ein Teppich würde mir auch gefallen, mich schreckt nur die dicke Häkelnadel noch etwas ab.
    Und ich freu' mich übrigens auf nächste Woche, und die Papiervögelchen mussten am Donnerstag warte, denn nun ist der Rest der Familie krank und ich wollte nicht mehr werkeln...
    LG und hab ein schönes Wochenende
    Manu

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  6. Liebe Katala,
    oh ja, die Flickenteppiche oder Fleckerlteppiche, wie sie bei uns heißen, kenne ich auch noch von meiner Omi - super!!!
    Hab eine feine Zeit
    Elisabeth

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