Samstag, 19. Juli 2014

Als Hilfsgänseliesel im Einsatz

So muss das aussehen, wenn man ein Gänseliesel ist. Man geht vorneweg und alle Tiere kommen im sprichwörtlichen Gänsemarsch hinterher.


Bei der Tochter klappt das prima. Zwar muss die eine oder andere Gans zwischendurch mal kurz kosten, wie so ein Stück Schnur schmeckt...


...doch wenn es abends in den Stall geht, sind alle ganz brav und folgen der Tochter.

Gestern nun waren die Kinder zum Geburtstag geladen und der gute Gatte und ich hatten Hofdienst. Zum Abend verzog sich der gute Gatte in den Wald. Da hatte dann nur noch ich Hofdienst.
Ich schaff' das schon, dachte ich so bei mir. Ist ja alles ganz leicht. Hatte es ja schon unzählige Male bei der Tochter beobachtet.


Als die Sonne hinterm Wald am Dorfrand versank, machte ich mich auf, die Gänse nach Hause zu holen.
Ich liebe diese Viecher ja. Es sind so nette Tiere. Stundenlang kann ich zwischen ihnen sitzen und einfach nur zuschauen wie sie fressen, wie sie trinken, wie sie in den Wasserschüsseln planschen. Aber gestern konnte ich sie zwischendurch mal gar nicht mehr leiden.


Als ich zur Gänsewiese kam, warteten sie schon. Kaum war das Gatter offen, düsten sie los. Laut schnatternd und flügelschlagend rannten sie Richtung Hof - rum um die Ecke und weg waren sie. Ich kam gar nicht so schnell hinterher.


Vorsichtshalber hatte ich alle Gatter offen gelassen und da die Gänse wissen, dass im kleinen Garten hinterm Haus noch ein Nachtmahl auf sie wartet, waren sie brav um den Futtertrog versammelt.
Schnell durchgezählt. Hurra, keine war abhanden gekommen.

Aber bis zum Futtertrog ist es nur die halbe Strecke. Von dort müssen sie noch durch einen Durchgangsstall, über den Hof und dann erst sind sie im Bett. Das ist vielleicht nicht der einfachste Weg, auf jeden Fall aber der stressfreiere, denn so treffen sie nicht mit den Hühnern zusammen. Die Gänse fühlen sich inzwischen nämlich als die großen Chefs hier auf dem Hof. Selbst die Hunde verschwinden freiwillig im Haus, wenn die Schar über den Hof kommt.

Als der Futtertrog leer, noch ein wenig Gras gefressen und ausreichend Wasser getrunken war, wollte ich sie dann endlich in ihren Stall treiben. Alle Türen waren geöffnet. Es konnte losgehen.
Die Gänse sahen das anders.


Seltsame, unbekannte Dinge langen da im Garten. Die mussten erst einmal gründlich untersucht werden. Na gut, ließ ich sie halt noch ein wenig an den Dachrinnen nagen.
Doch dann sollte endlich Schluss sein.
Gänse gerufen. Gänse kamen nicht.
Gänse getrieben. Alle Gänse liefen an der offenen Tür vorbei in die andere Hälfte des Gartens.
Gänse wieder zurück Richtung Tür getrieben. Gänse liefen wieder daran vorbei. Schnatterten aufgeregt und stürzten sich auf die Bauplane, die sie bis dahin noch gar nicht entdeckt hatten.
Wieder habe ich sie eine Weile gewähren lassen. Irgendwann mussten sie doch mal müde werden, vielleicht sogar ganz von alleine in ihren Stall laufen.
Ich wartete und wartete. Rief sie. Lockte sie. Aber sie wollten einfach nicht schlafen gehen.
Sie noch einmal zur Tür zu treiben, versuchte ich gar nicht mehr, da ich sicher war, dass sie sowieso wieder daran vorbei und in den Teil des Gartens laufen würden, in dem die Rosen stehen. Und von dort wollte ich sie unbedingt fernhalten, damit es den jungen Knospen nicht so ergeht, wie es dem Dachwurz erging. Der ist nämlich komplett weggefressen.
Ich sah mich schon bis in die Nacht hinein mit den Gänsen im Garten hocken, bis die Tochter kommen, einmal rufen und die Gänse endlich in ihren Stall verfrachten würde. Darauf hatte ich aber so gar keine Lust.
Wäre der gute Gatte dagewesen, hätte er den Weg an der Tür vorbei versperren können. Allein schaffte ich das nicht. Zumindest nicht einfach so, denn ich konnte ja nicht gleichzeitig vor und hinter den Gänsen sein. Wollte ich nicht noch Stunden hier sitzen, musste ich ganz schnell wachsen, bis auf das Maß von zwei Menschen.
Ja, na klar. War doch ganz einfach. Und warum, bitte, war ich da nicht gleich draufgekommen?
Ich griff mir einen Besen und ein langes Wasserrohr. Damit konnte ich meine Armspanne auf gut vier Meter verlängern und so war es dann ganz leicht. Ratz, fatz waren die Gänse im Stall. Sie schnatterten noch ein wenig müde vor sich hin und dann schliefen sie ein. Eine nach der anderen.

Ach, Gänse sind doch wirklich ganz reizende Tiere. Ich liebe sie. Nun wieder.

Habt alle ein feines Wochenende
Lieben Gruß
Katala

P.S.: Den Abendhimmel schicke ich zur Raumfee. Dort werden samstags Himmelsbilder gesammelt.

Kommentare:

  1. Liebe Katala,
    das war eine schöne, lustige Geschicht. Ich habe mit dir gelitten
    und mich mit dir gefreut, dass die lieben Tierchen endlich im Stall
    waren. Ein Erfolgserlebnis.
    Einen guten Start ins Wochenende wüncht Dir
    Irmi

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  2. Oh, deine Gänsegeschichte erinnert mich an meine frühen Erfahrungen mit diesen eigenwilligen Schönen im Dorf meiner Kindheit. Denn dort liefen sie den ganzen Tag frei herum, bis sie "ihre Gänseliesel" abends "einsammelte".
    Das Zusammentreffen verlief nicht immer stressfrei, und einmal habe ich die ganze Milchkanne in meiner Not ausgeleert. Das war ein Drama bei vier kleinen Kindern, denn die Tante hatte anschließend keine mehr für uns übrig. Dass ich Ärger bekam, ist sicher. Daran erinnern kann ich mich nun wieder nicht. "Gebissen" hat mich auch einmal eine. Sehr unangenehm. Ich hatte jedenfalls sehr viel Respekt vor ihnen.
    Viel Spaß weiterhin beim Hofhüten!
    Herzlichst
    Astrid

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  3. Sehr lustig, deine Gänsegeschichte...Und der Abendhimmel ist genial...LG Lotta.

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  4. DAS ist Landleben pur - ICH WILL AUCH GÄNSE HABEN!!!!!
    Eine richtig schöne Geschichte! - Schlaf gut
    Jacqui

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  5. Liebe Katala,
    irgendwie bin ich nun auf deinem Blog gelandet und finde es superschön bei dir. Die Gänse haben es mir ja echt angetan. Was für schöne Tiere und wie unterhaltsam eine Geschichte über sie sein kann hast du wirklich bewiesen, dazu noch die schönen Fotos. Danke dafür und ich schaue natürlich wieder bei dir rein, denn auch der Rest deines Blogs ist ganz zauberhaft. Wiese habe ich deinen Blog erst jetzt gefunden, aber besser noch als nie!
    Einen schönen Abend mit schnatternden Gänsen wünscht dir Stine

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  6. Liebe Katala,
    was habt Ihr für wunderschöne Tiere! Ich liebe diese kräftigen Köpfe ♥ Unsere beiden sind ja eher eine zarte Sorte. Mein Vater hat sie damals gekauft. Und leider wissen wir nicht, welche Rasse sie sind. Ich vermute *Deutsche Legegans*. Wohingegen der Bruttrieb dagegen steht.
    Und klar, wenn auch nur ein Zipfelchen anders ist beim in die Heia-Bringen, dann geht die Welt unter ;o)
    Aber Du hast es gut gemeistert.
    Liebe Grüße schickt Dir die Elke

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  7. Liebe Katala,
    wie wundervoll, da kommt ganz viel Kindheit in Erinnerung bis hin zu den Michael-Geschichten und und und ... traumhaft und traumhafte Tiere!!!
    Hab eine sonnige Woche
    Elisabeth

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