Freitag, 27. Juni 2014

friday-flowerday und der Einbruch des Irrationalen

Eigentlich wollte ich einen dicken, fetten Strauß heute zu Helga schicken...



Ich hatte gestern zeitig Feierabend. Sogar der heimische Blumenladen war noch offen.  Aber dort gab's  - wie eigentlich immer - sehr wenig, das mir gefiel. Weiter ging's zum Feld. Dort wachsen Wicken und allerlei anderes feines Kraut.  Also bin ich den Feldweg entlanggeschlendert. Habe Blumen geschnitten, ein paar Fotos gemacht. Halt ausgiebig getrödelt.



Doch als ich die Blumen dann zu Hause in die Vase stellen wollte, kam kein Wasser aus der Leitung. Hektisch zum Nachbarn gerannt. Wasser? Ja, das ist die nächsten zwei Nächte abgestellt, war ein Zettel an der Bushaltestelle, da stand das drauf, immer von acht bis zwei.

Nett!  An der Bushaltestelle stand's. Ein Ort, an dem ich nie vorbeikomme. Und da bin ich sicher nicht die einzige hier am Ort.

Egal. Alles nicht schlimm. Ein Eimer Gießwasser stand noch auf dem Balkon. Wurden die Blumen erst einmal nur notversorgt. Und im Kocher war sogar noch genügend Wasser für einen Kaffee.


Dann der Morgen. Das Wasser lief wieder. Den Blumen ging es gut. Aber wo war mein Messer?

MEIN MESSER WAR WEG!

Es hätte in der rechten Gesäßtasche der Jeans sein müssen, doch dort war es nicht.

Ich habe überall in der Wohnung gesucht - KEIN MESSER.

Ich habe in der Handtasche gesucht - KEIN MESSER.

Ich habe im Auto gesucht - KEIN MESSER.

DAS MESSER VON MEINER GROSSMUTTER WAR WEG.

Meine Großmutter hatte in der Handtasche immer ein Messer.  Sie war eine Dame mit Hut und Handschuhen, aber nie ohne Messer unterwegs. Und sie hatte mehrere Messer, kleine feine Damenmesser, und so scharf, wie man sie heute kaum mehr bekommt.
Dieses, ein kleines Werbemesser, hatte ich ihr vor unendlich vielen Jahren abgeschwatzt und seither begleitete es mich. Und nun war es weg. Am liebsten hätte ich mich in eine Ecke gesetzt und Rotzblasen geheult.


Doch eben jene Großmutter hat mir auch beigebracht, dass Heulen in solchen Situationen gar nichts nützt. Es macht nur häßlich. Man soll lieber seinen Kopf bemühen.

Also habe ich mir den ganzen Tag lang das Hirn zermartert. Im Büro war ich unkonzentriert und vergnatzt. Das unerklärliche Verschwinden des Messers hat mir komplett den Tag verhagelt.
Eine Kollegin hat mit mir gemeinsam noch einmal das Auto abgesucht. Jeder von einer Seite. Dass wir dabei zu allem Überfluss mit den Köpfen zusammenstießen - darüber werden wir nicht reden.
Auf dem Heimweg bin ich noch einmal den Feldweg abgelaufen, obwohl ich inzwischen fast sicher war, dass es dort nicht sein konnte. Und dort war es auch nicht. 



Es war aus der Tasche gerutscht und hinter den Sessel gefallen, über den ich die Hose gehängt hatte.
Hätte ich heute früh gleich meinen Kopf bemüht statt Panik zu schieben, hätte ich darauf kommen können. Aber ich bin nicht daran gewöhnt, dass Dinge verschwinden. Für mich ist das der Einbruch des Irrationalen.



Nun ist das Messer wieder da und alles ist gut.

Nun ja, nur fast alles ist gut, denn der große Strauß für Helga ist immer noch nicht fertig.
Aber ich habe noch einen kleinen, nicht mehr ganz frisch, aber mit Liebe gepflückt.


Und der wandert nun zu all den anderen Freitagsblumen. Als mein Ersatzspieler sozusagen. Darf man doch in Fußballzeiten, oder?

Allen einen schönen Start ins Wochenende.
Lieben Gruß
Katala

Kommentare:

  1. Ich habe vor kurzem panisch mein Handy gesucht...kann deine Aufregung gut nachempfinden. Vielleicht reichst du Bilder vom Strauß noch nach...ich wäre gespannt...;-) Ein schönes Wochenende! LG Lotta.

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  2. Liebe Katala,
    was für eine Geschichte! Ich habe gelesen und die ganze Zeit überlegt wo Dein Messer noch sein kann!
    Ich bin wirklich froh, dass Du den kleinen Werbemesser Deiner Oma wieder gefunden hast! Ich hänge auch sehr an Sachen die ich von lieben Menschen habe und die schon unzählige Geschichten erzählen könnten.
    Dein Ersatzspieler ist einfach zauberhaft und perfekt in Szene gesetzt!
    Das Problem mit dem Wasser oder eher mit keinem kenne ich sehr gut.Als ich noch ein Kind war hatten die ständig irgendwelche Rohre repariert und das Wasser paar mal die Woche für halben Tag abgestellt, da kamen manchmal Zisternen wo man sich die Eimer voll machen konnte.
    Hier haben die nur einmal für 2 Stunden Wasser abgestellt aber genau in dem Moment als ich meine Haare gefärbt habe... :o)
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende und schicke ganz liebe Grüße,
    Frida

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  3. Tolle Messersuch- und Findegeschichte. Ein Messer von der Oma - Dame mit Hut und Handschuhe stelle ich gerade vor - welch schöne Erinnerung.
    Dein Weißklee geht als Mini-Fußbälle durch.
    herzlich Judika

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  4. Ein richtig süßer Ersatzstrauß, der darf auf jeden Fall zu Helga!
    Deinen Schreck kann ich gut verstehen, so etwas braucht kein Mensch. Und wenn so etwas passiert, dann wirklich oft mit Dingen, an denen das Herz hängt. Gut, dass jetzt alles wieder gut ist, Katala!

    Liebe Grüße, Frauke

    P. S.: Du darfst sehr gern im Sessel platz nehmen ;-)

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