Donnerstag, 19. Juni 2014

Abends am See

Wenn ich mir abends etwas Gutes gönnen will, dann gehe ich zum See.
Ewig kann ich dort sitzen, aufs Wasser schauen, die Wolken beobachten, den Vögeln lauschen und zusehen, wie es dunkel wird.
Wer mag, darf gerne mitkommen. Aber bitte auf festes Schuhwerk achten. Der Weg führt durchs Reich der Nacktschnecken. Und bitte auch eine warme Jacke mitnehmen. Am Wasser ist es jetzt schon kalt.


Die Sonne steht schon tief. Knapp schafft sie es noch über die Wipfel. Aber nicht mehr lange. Dann ist sie hinter den Bäumen verschwunden und alles wird in Orange getaucht.


Hier finde ich Ruhe. Ruhe in mir.
Aber still ist es hier nicht.
Im Schilf streiten laut die Enten.
Die Vögel singen durcheinander, lärmen herum wie die Kinder, wenn sie nicht schlafen wollen.
In der Ferne ruft ein Kuckuck. Dreiundzwanzigmal. Ist das gut? Da war doch was mit dem Kuckuck und dem Geld…


Ganz hinten kommt ein Haubentaucher. Er zieht im weiten Bogen vorbei.


Irgendwie schaut er komisch aus...
Meine Augen sind schon etwas müde.  Ich zoome ihn mit der Kamera heran.


Als er sich reckt und mit den Flügeln schlägt, purzeln drei Kücken von seinem Rücken. Lautes empörtes Gepiepse. Schnell wieder rauf auf Muttern. Oder ist's der Vater?
Bis ich mit der Kamera so weit bin, sind die Vogelkinder schon wieder unter den Flügeln verschwunden.


So ist das immer: Wenn etwas Spannendes passiert, vergesse ich zu knipsen. Dann bin ich nur noch mit Staunen beschäftigt. Der Rest des Hirns liegt lahm.

Noch tiefer sinkt die Sonne.


Überall plitscht und platscht es im Wasser. Die Fische toben herum. Schnappen nach Mücken. Spielen mit Blütenblättern, die der letzte Wind aufs Wasser hinausgetragen hat. Ganz staubig sieht der See aus.

Ein kleiner Fisch war  nicht schnell genug. Oder zu arglos.


Der Haubentaucher hat es nun sehr eilig. Die Familie wartet aufs Abendessen.


An einem warmen Sommerabend wäre ich jetzt auch im Wasser.
Vielleicht müsste ich wieder mit einem Seeungeheuer kämpfen, wie schon einmal...
Aber für diese Geschichte ist es  nun zu spät.



Die Vögel werden schon stiller. Der Himmel verliert sein Leuchten. Bald wird es ganz dunkel sein.



Wenn wir das nächste Mal hier sitzen, werde ich die Geschichte erzählen, die Geschichte vom Seeungeheuer und wie ich es besiegt habe.

Ich wünsche allen einen schönen Restabend, einen schönen Freitag und ein besonders feines Wochenende
Katala

Kommentare:

  1. Ach wie schön...ja, ich kann die Stimmung sehr gut nachempfinden...wir haben hier mehrere Seen...Auf das Wasser zu blicken ist Entspannung pur...LG Lotta.

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  2. Hallo Katala,
    da würde ich abends auch gerne den Tag beenden. Was für eine ruhige Stimmung Du mit Deiner Kamera eingefangen hast, einfach schön!
    LG
    Manu

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  3. Liebe Katala,
    jetzt bin ich dir ganz andächtig gefolgt. Habe die einzelnen Stimmungen
    eingesogen und mich ganz der lauten Ruhe hingegeben. Danke für die
    Entführung in den ausklingenden Tag.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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  4. Liebe Katala,
    es ist so besonders, wenn Große noch so viele schöne Gedanken in sich tragen. Nicht mehr viele haben die Gabe, solche Dinge zu empfinden!
    Ich freue mich auf die Geschichte von Dir und dem Seeungeheuer :o)
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Elke

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  5. Liebe Katala, das sind aber wundervolle Fotos von einer noch wundervolleren Abendstimmung. Da beneide ich DICH, so wie du mich vielleicht um meine Näherei ;-) Ich kann dir nur Mut machen: Jersey vernähen mit einer Overlockmaschine ist viel leichter als Webware mit der Nähmaschine! Ich liebe es... Gönn doch vielleicht mal deiner Enkelin so ein Kleidchen...
    Herzlichst
    Astrid

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  6. Wie schön du es um dein Zuhause hast, liebe Katala! Und was für wunderbare Worte du zu deinen schönen Aufnahmen gefunden hast.
    Heute ist zwar schon Sonntag, aber ich nehme deine lieben Wünsche mit in die neue Woche, sie kommen mir heute gerade recht ...

    Lieben Gruß, Frauke

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